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Wie aus Kundenprojekten eine eigene Plattform wurde

Rückblick auf den Punkt, an dem aus Auftragsarbeit ein eigenes Produkt wurde — und warum das zuerst eine schlechte Geschäftsentscheidung war.

Am Anfang stand kein Produkt, sondern eine Wiederholung. Wir haben Software für Kunden gebaut, und in jedem zweiten Projekt kamen dieselben Bausteine vor: eine Kundenverwaltung, eine Artikelliste, ein Rechnungslauf, eine Rechteverwaltung, irgendeine Form von Auswertung. Jedes Mal neu, jedes Mal ein bisschen anders, jedes Mal bezahlt.

Der Punkt, an dem es kippte

Wirtschaftlich war das in Ordnung. Fachlich war es zunehmend absurd. Wir haben Kunden für Arbeit bezahlt bekommen, die wir im Prinzip schon gemacht hatten — nur ließ sie sich nicht wiederverwenden, weil jedes Projekt sein eigenes Datenmodell mitbrachte. Die Frage, die den Ausschlag gab, war unbequem: Wenn wir dasselbe fünfmal bauen, verkaufen wir dann Lösungen oder verkaufen wir Stunden?

Warum eine eigene Plattform zuerst eine schlechte Entscheidung ist

Eine eigene Plattform zu bauen heißt, monatelang zu investieren, ohne eine Rechnung stellen zu können. Es heißt auch, Entscheidungen zu treffen, die man später nicht mehr billig zurücknimmt: Wie sieht ein Kunde aus, wenn er gleichzeitig Auftraggeber, Lieferant und Nutzer sein kann? Was ist ein Mandant? Wie hängen Rechte an Rollen, wenn eine Agentur Endkunden verwaltet?

Diese Fragen kann man nicht überspringen. Wer sie überspringt, baut ein Produkt, das beim zwölften Kunden auseinanderfällt — und merkt es erst dann.

Was wir behalten haben

Drei Dinge aus der Projektzeit sind geblieben und haben sich als richtig erwiesen:

  • Ein Datenmodell für alles. Ein Kunde ist ein Kunde, egal ob er im Shop bestellt, eine Rechnung bekommt oder ein Ticket eröffnet.
  • Rechte gehören an die Daten, nicht an die Oberfläche. Was jemand sehen darf, entscheidet der Server, nicht ein ausgeblendeter Menüpunkt.
  • Betrieb ist Teil des Produkts. Software, die niemand betreiben kann, ist keine Lösung, sondern eine Aufgabe.

Was daraus wurde

Aus der Entscheidung, nicht mehr fünfmal dasselbe zu bauen, ist eine Plattform geworden, auf der wir heute unseren eigenen Betrieb führen — Lager, Fertigung, Buchhaltung, Marketing, Geräte. Der beste Beleg dafür, dass eine Software taugt, ist nicht eine Referenzliste. Es ist die Frage, ob der Hersteller sie selbst benutzt.

Wir tun es. Und deshalb wissen wir ziemlich genau, wo es weh tut.