Es gibt einen Punkt, an dem KI in der Softwareentwicklung aufhört, ein Werkzeug zu sein. Vorher ist sie eine bessere Autovervollständigung: man schreibt, sie schlägt vor, man nimmt oder verwirft. Danach ist sie Teil des Ablaufs — sie bekommt einen Auftrag, arbeitet ihn ab und legt das Ergebnis zur Abnahme vor. Bei uns ist dieser Punkt erreicht, und er ist unbequemer, als es in Vorführungen aussieht.
Wie der Ablauf tatsächlich läuft
Jede Änderung an unserer Plattform beginnt mit einem geschriebenen Auftrag: Was ist das Problem, was ist der gemessene Zustand, was gilt als erledigt. Dieser Auftrag geht an eine Arbeitssitzung, die ihn abarbeitet — Code liest, Code schreibt, Tests laufen lässt, misst, ob das Ergebnis das Versprochene tut. Am Ende steht ein Protokoll: was gebaut wurde, was gemessen wurde, was offen blieb.
Das klingt nach Automatisierung. Es ist vor allem eine Disziplin-Frage.
Die drei Fehlerklassen, die dabei neu entstehen
- Die überzeugende falsche Annahme. Ein Auftrag beruht auf einer Behauptung, die niemand geprüft hat — „das Feld gibt es nicht“. Wird sie nicht nachgemessen, wird die Lösung für ein Problem gebaut, das es nicht gibt.
- Die grüne Messung, die nichts misst. Eine Prüfung, die keinen Fehler finden kann, ist immer grün. Ohne Gegenprobe belegt sie nichts. Wir verlangen deshalb bei jeder Null-Aussage eine Kontrolle, die treffen muss.
- Das stille Verwerfen. Ein Feld, das im Vertrag steht, aber im Schema fehlt, wird beim Speichern kommentarlos weggeworfen. Die Oberfläche meldet Erfolg. Niemand merkt es, bis jemand die Daten sucht.
Wo der Mensch bleibt
An zwei Stellen, und beide sind nicht verhandelbar. Die erste ist der Auftrag: Was gebaut werden soll und was als Erfolg gilt, entscheidet ein Mensch. Die zweite ist die Abnahme: Ob das Gelieferte das tut, was es soll, wird gegen die laufende Anwendung geprüft, nicht gegen eine Behauptung im Protokoll.
Dazwischen kann sehr viel Arbeit abgegeben werden. Aber wer die beiden Enden auch abgibt, bekommt eine Software, die sich selbst bescheinigt, in Ordnung zu sein.
Was das im Alltag bringt
Deutlich mehr Durchsatz bei Dingen, die vorher liegen blieben: nachgezogene Dokumentation, aufgeräumte Altlasten, Prüfungen, die niemand von Hand geschrieben hätte. Und ein Nebeneffekt, den wir nicht erwartet hatten: Weil jeder Auftrag geschrieben und jede Messung belegt werden muss, ist unsere Entwicklung nachvollziehbarer geworden als vorher.